Kommunisten und Wahlen
Hintergrundartikel der Abteilung Internationale Beziehungen des ZK der KKE
Die
KKE zum Ergebnis der jüngsten Parlamentswahlen in Griechenland und
dessen Vergleich mit den entsprechenden Ergebnissen in Deutschland und
Portugal
Am
4. Oktober, wenige Tage nach den entsprechenden Wahlen in Portugal und
Deutschland, wurden in Griechenland vorgezogene Parlamentswahlen durchgeführt.
Die Ergebnisse der griechischen Wahlen wurden im Ausland verschiedentlich
als „Linksruck in Griechenland“
und „Sieg der Linken“ dargestellt.
Diese Analysen stützen sich auf die Addition der Wahlergebnisse dreier Parteien: der sozialdemokratischen Partei PASOK, Trägerin einer harten volksfeindlichen Politik und eine der beiden „Säulen“ des bürgerlichen politischen Systems, der „neulinken“ Formation SYN/SYRIZA (eine Ansammlung von Eurokommunisten und ehemaligen Kommunisten auf der Grundlage eines sozialdemokratischen Programms) und der KKE, die täglich für die Interessen der Arbeiterklasse, der Schichten des Volkes mit der Perspektive einer revolutionären Umformung der Gesellschaft, des Sturzes der Herrschaft der bürgerlichen Klasse und des Aufbaus des Sozialismus kämpft. Diese willkürliche Addition ungleicher politische Kräfte im Namen der „Linken“, zeigt klar, dass nicht die tatsächliche politische und soziale Teilung der Gesellschaft wiedergegeben wird, wenn z.B. Kräfte, die das imperialistische Gebilde NATO (wie die PASOK), die EU (wie PASOK und SYN/SYRIZA) unterstützten, und die KKE addiert werden, die diese beiden Gebilde bekämpft und den Austritt des Landes aus ihnen fordert. Politisch ist die Addition von politischen Kräften, die die Prämisse der bürgerlichen Klasse von der „Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft“ akzeptiert haben (PASOK, SYN/SYRIZA) mit Kräften, die auf ihrer gesamten ideologisch-politischen Front diese und anderen ideologischen Argumentationen der bürgerlichen Klasse bekämpfen, mit der KKE, die die Hauptlast des Kampfes gegen die volksfeindlichen Umgestaltungen trägt und sich entschlossen den Kräften des Kapitals entgegenstellt, nicht tragbar.
Basisfakten zum Wahlergebnis
Die KKE erzielte bei den letzten Wahlen
517.138 Stimmen, das sind 66.612 weniger als bei den Wahlen 2007,
wo sie 583.750 Stimmen bekam. Als Ergebnis diese geringen Verlustes
sank ihr prozentualer Anteil von 8,15 auf
7,5 Prozent. Gleichzeitig muss hier für die ausländische
Leserschaft erwähnt werden, dass die PASOK zur Zeit der Wahlen in 2007
eine tiefe Krise durchmachte und der Sieg der Nea Dimokratia (ND) damals
als sicher angesehen wurde. Deshalb muss auch das Wahlergebnis aus den
Wahlen von 2004 zum Vergleich herangezogen werden, wo die PASOK aufgrund
der Unzufriedenheit des Volkes ihre Regierungsmehrheit an die ND verlor.
Damals hatte die KKE 436.561 Stimmen erzielt, was 5,9 Prozent entsprach.
Folglich hatte die KKE 2007 einen für kommunistische Parteien recht
bedeutenden Zuwachs erzielt, etwa 150tausend Stimmen oder mehr als 2
Prozentpunkte.
Bei den Wahlen in 2009 vereinigten
die Kräfte des bürgerlichen Zweiparteiensystems (aus PASOK
und ND) zusammengezählt 77,40 Prozent
der Stimmen auf sich. Dieses Ergebnis ist das niedrigste, was die beiden
Parteien des Zweiparteiensystems seit den Wahlen im Jahre 1981 jemals
erzielten. Auf die PASOK entfielen dabei
43,92 Prozent (+5,8), während die
ND 33,48 Prozent erreichte (- 8,4).
Einen Zuwachs konnte auch die nationalistischen
Partei LAOS verzeichnen. Sie erhielt
5,63 Prozent (+1,8). Allerdings muss man dabei beachten,
das die liberale Partei, die ND, die das Reservoir darstellt, aus dem
LAOS schöpft, mehr als 8 Prozent Stimmen verlor.
SYN/SYRIZA rutschte vom 4. auf
den 5. Platz im Parlament ab und erreichte
4,6 Prozent (-0,4). Dieser Verlust wurde vom Freudengeschrei
vom der Sozialdemokratie nahestehenden Teils
der bürgerlichen Medien vertuscht. Dieser war nervös geworden, nachdem
Umfrageergebnisse signalisiert hatten, dass SYN/SYRIZA drohte, an der
Dreiprozenthürde zu scheitern, nachdem das Bündnis innerhalb eines
Jahres das ganze Ausmaß der demoskopischen
„Kurve“ durchlaufen hatte, von 18 bis 20 Prozent, die ihm vor 15
Monaten zugeschrieben worden waren bis zur 3 Prozent Grenze.
Die Partei der
„Ökologen – Grünen“ schließlich konnte auch dieses Mal, trotz
der lautstarken Unterstützung von Medien und aus Unternehmerkreisen
die Dreiprozenthürde nicht überwinden. Sie erzielte
2,5 Prozent und stellt erneut keine Abgeordneten.
Einige qualitative Fakten zum Ergebnis
der KKE
Das Wahlergebnis der KKE zeigt, dass
die Partei ihre höchsten Prozentpunkte in den
städtischen Zentren erzielt, wo sie im Schnitt
8,8 Prozent erhielt. In den Provinzregionen liegt der Schnitt
bei 6 Prozent und in den landwirtschaftlichen Regionen bei
6,1 Prozent. Hohe Prozente (von 10 bis 20 Prozent) erreichte
die KKE in den von Volksschichten bewohnten Vierteln Athens,
Piräus, Thessalonikis, Patras und der anderen großen Städten.
Auf der in der Vergangenheit als Verbannungsinsel
für Kommunisten genutzten Insel Ikaria, wo die KKE traditionell
gute Ergebnisse erhält, erzielte sie den ersten Platz mit 37 Prozent.
Studien zeigen außerdem, dass die Stärke der KKE bei den jungen Wähler zwischen 25 und 34 Jahren (wo sie 11 Prozent erreichte), aber auch bei den im Arbeitsleben stehende Altersklassen von 45 und 54 Jahren (9 Prozent), bei den in der Privatwirtschaft Arbeitenden (11 Prozent), den Arbeitslosen (11 Prozent) und den Studierenden (11 Prozent) höher als im Durchschnitt ist.
Bewertung des Ergebnisses
Das ZK der KKE erläuterte in einer
ersten Einschätzung des Ergebnisses:
„das Wahlergebnis, soweit es die KKE betrifft, entspricht nicht
deren Ansehen, ist geringer als der Einfluss, den die Partei mit ihrer
Politik, ihrer Praxis und ihrer Rolle bei geleisteten Kämpfen gewonnen
hat, ohne die die Entwicklungen schlechter ausgefallen wären. (...)
Die KKE hat einen harten Kampf unter den Bedingungen einer
ökonomischen Krise, einer Sozialdemokratie im Aufwind geführt. Trotz
der Tatsache, dass es ihr nicht gelungen ist, ihre Kräfte zu verstärken,
hat sie Durchhaltekraft gezeigt, es geschafft, die Pläne zu durchkreuzen,
nach denen sie vom dritten Platz im Parlament vertrieben, unter ideologischen
Druck gesetzt und ihr der größtmöglichste Teil an politischem und
die Wahlen betreffenden Einfluss entzogen werden sollte. Die Standhaftigkeit
der KKE in Zwangslagen, gegenüber Einschüchterung und Erpressung zeigt
ihre Fähigkeiten, ihre richtige Linie, ihre Bereitschaft morgen NOCH
ENTSCHLOSSENER in der ersten Reihe zu stehen.“
Bei dem Wahlerfolg hat offensichtlich
die Logik des „kleineren Übels“ eine Rolle zu
Gunsten der Sozialdemokratie gespielt, ebenso die Mechanismen des Stimmenkaufs
mit Versprechen und Gegenleistungen bei Teilen des Volkes, die von Arbeitslosigkeit
und Not unter den Bedingungen einer globalen kapitalistischen Krise
geschlagen sind, die Unsicherheit und den Druck nach einfachen Lösungen
verstärken. Sicher spielen noch andere Gründe eine Rolle, wie die
antikommunistische Kampagne, die in Griechenland in letzter Zeit an
Heftigkeit zugenommen hat und auf die wir ausführlich in unserem vorherigen
Artikel nach den Europawahlen dieses Jahres eingegangen sind.
Darüber hinaus gibt es allgemeinere
Gründe, wie der Einfluss des Zustandes in dem sich die Arbeiter- und
Gewerkschaftsbewegung in Europa und in Griechenland befindet, die schwache
Bindung der Parteiorganisationen der KKE mit neuen Arbeiterschichten,
die sich der Partei zuwenden und für die es zusätzliche Anstrengungen
braucht, um sie zu stabilisieren. Zur Zeit evaluieren die Parteiorganisationen
der KKE die erste Einschätzung des ZK aber auch
eigene Schwächen und Erfahrungen, die sie im Wahlkampf gesammelt haben.
Das Ergebnis hat gezeigt, dass die von Interventionen der USA begleiteten Versuche der letzten Jahre, die KKE vom dritten Platz im Parlament zu vertreiben, keinen Erfolg hatten. Diese von mächtigen, die elektronischen Medien kontrollierenden Medienunternehmen gestützten Bestrebungen richteten sich darauf, entweder SYN/SYRIZA oder LAOS oder auch den „Ökologen“ die politische Position zu verschaffen, die heute die KKE innehat.
Äußere Einflüsse
Wir müssen ebenfalls bedenken, dass
wir uns, wie in der Einschätzung des ZK der KKE vermerkt, in einer
Periode befinden, „in der sich die innerimperialistischen Widersprüche
in der Region zuspitzen“.
Die Bestrebungen Russlands, seine eigenen
Pläne hinsichtlich der Pipelines für
Öl und Erdgas in Europa in Kontroverse mit den Vorstellungen der USA
voranzutreiben, beeinflussten auch die von der vorherigen Regierung
unterschriebenen Verträge, die Beteiligung Griechenlands an einem Teil
dieser russischen Pläne (Ölpipeline
„Burgas-Alexandropolis“, Teilstrecke der Erdgaspipline
„South Stream“). Gleichzeitig erwarb China im Streben nach Zugängen
zu europäischen Märkten (über das staatliche Unternehmen COSCO) mit
der Containerverladestation einen wichtigen Teil des bedeutendsten Hafens
Griechenlands.
Russland und China streben mit der
Umsetzung dieser Pläne danach, ihre internationale Rolle aufzuwerten,
Allianzen mit Teilen des EU-Kapitals zu bilden, indem sie Anteile des
europäischen Marktes aber auch des Marktes der weiteren Region gewinnen.
Es ist kein Zufall, dass US-Präsident
Barak Obama als erster der ausländischen Staatschefs und ohne
die Verkündung des offiziellen Ergebnisses abzuwarten, der PASOK und
Giorgos Papandreou zu ihrem Sieg gratulierte. Kein Zufall, weil G. Papandreou
sich vor der Wahl skeptisch gegenüber dem Bau der Burgas-Alexandropolis
Pipeline geäußert hatte, während er die Konstellation beim zweiten
russischen Projekt, „South Stream“ im Vagen ließ.
Die Tatsache, dass dieses Thema während
des gesamten Wahlkampfes diskutiert und ausgenutzt wurde, zeigt klar,
dass die innerimperialistische Konkurrenz Einfluss auf die inländischen
politischen Auseinandersetzungen der bürgerlichen Kräfte des Landes
hat. Darüber hinaus ließ die PASOK vor den Wahlen die Option einer
Neuverhandlung des Vertrags mit der chinesischen COSCO offen. Ein Teil
der bürgerlichen Kräfte „denunzierte“ Giorgos Papandreou daraufhin,
er würde im Falle eines Wahlsieges treu den US-amerikanischen Interessen
dienen, während auch die entsprechenden
„spitzen Bemerkungen“ in Bezug auf die ehemalige Außenministerin
der ND, Dora Bakogianni, nicht fehlten, die jetzt für den Parteivorsitz
kandidiert.
„Wo Rauch ist, da ist auch Feuer“, sagt man und es ist wahr, dass verschiedene monopolistische inländische und ausländische Konzerne aber auch die Großmächte daran interessiert sind, bei verschiedenen politischen Akteuren Unterstützung für ihre Pläne suchen. Gibt es ein charakteristischeres Beispiel dafür als das von Herrn Alex Rodos? Der ehemalige Berater von Giorgos Papandreou (als dieser Außenminister in der letzten Regierung der PASOK war) spielte eine Rolle beim Sturz von Milosevic in Serbien und landete im Anschluss im Dienst des USA-freundlichen Präsidenten von Georgien, Michail Saakaschwili.
Die Haltung der KKE in der Frage der innerimperialistischen Differenzen
Eine Klammer
öffnend gehen wir hier auf die Haltung der KKE bei den beiden oben
genannten Beispielen ein:
Die KKE merkt an, dass der Bau oder
Nichtbau der Pipelines für Öl und Erdgas und die Transformation oder
Nichttransformation Griechenlands in einen
„Energieknotenpunkt“ nicht im geringsten bedeutet, dass der Zugang
der Schaffenden Griechenlands zu Energie dadurch leichter (billiger)
wird. Es würde aber steigende Gewinne
für die an diese Projekten beteiligten privaten Konzerne bedeuten.
Dieser Nutzen wäre sowohl direkt (aus der Ausbeutung der Pipeline)
als auch indirekt (über Allianzen, die mit Teilen des Kapitals anderer
Länder geschlossen würden, z.B. dem russischen, dem italienischen,
dem deutschen, etc.).
Der
Bau der Pipelines wäre, wie jede Energie-Infrastrukturprojekt,
nur im Rahmen einer Ökonomie des Volkes, die den Energietransport
und die eigenen Energiequellen auf der Basis der Bedürfnisse des Volkes
und nicht des kapitalistischen Gewinns einsetzen würde, von Nutzen
für die Schichten des Volkes. Vorraussetzung dafür wäre selbstverständlich
eine andere Herrschaft, die des Volkes und der Arbeiterklasse, mit anderen
Worten der Sozialismus.
Gleichzeitig verurteilte die KKE sowohl
die Privatisierung der Häfen wie auch den konkreten Vertrag mit der
COSCO, als dieser unterzeichnet wurde. Die KKE forderte vor und nach
den Wahlen: „Keine Neubewertung, keine Neuverhandlung sondern die
vollständige Annullierung des Vertrags mit der COSCO und die Annullierung
aller Gesetze von PASOK und ND, mit denen Häfen privatisiert werden“.
Die Kommunisten unterstützten den viele Tage währenden Streik der
Hafenarbeiter in Piräus gegen die Privatisierung des Hafens.
Allgemein ruft die KKE die Schaffenden dazu auf, sich dem Schulterschluss mit irgendeiner imperialistischen Kraft zu verweigern zu dem sie, angeblich zum Nutzen des „Nationalen Interesses“, von manchen aufgefordert werden. Hinter letzterem verbergen sich nicht die Interessen der Arbeiterklasse und der anderen Volksschichten, sondern die der sich häufig untereinander bekämpfenden Industriellen der Reeder, der Banker.
Was drückt der Prozentsatz der KKE bei den Wahlen aus
Die Gegner der KKE, die Kapitalisten
und ihre Apparate, versuchen die Analyse des Wahlergebnisses mit interessengesteuerten
Studien, die den Einfluss der Thesen der Partei im Volk untergraben
sollen, ihren eigenen Kriterien zu unterwerfen.
Tatsächlich befindet sich die KKE
in den letzten Jahren im Aufwind. Im Aufwind innerhalb der Bewegung
der Arbeiter und des Volkes und im Aufwind, was den Einfluss bei den
Wahlen betrifft, wo sie bedeutende Teile der Arbeiterklasse, der Schichten
des Volkes und der Jungend in der Kollision mit dem Großkapital, seinen
Politikern und Gewerkschaftsvertretern, der volksfeindlichen Politik,
vereint.
Die KKE ist eine revolutionäre Partei,
die im Kampf für den Sozialismus Kräfte vereint und ausbildet und
die keinerlei parlamentarische Illusionen hegt, nach denen sie
von Wahl zu Wahl ansteigende Ergebnisse erziele, was dann irgendwann
über Wahlen zu einer „sozialistischen Regierung“
führe. Darüber hinaus hat die KKE die Idee von der Teilnahme an
„mittelinks“ oder „linken“ Regierungen, die das kapitalistische
System managen würden, als gefährlich und unannehmbar abgelehnt. Die
Bündnispolitik der KKE hält die Formierung einer
antiimperialistischen, antimonopolistischen Front
für notwendig, in der sich die gesellschaftlichen und politischen Kräfte
einen, die bereit sind, gegen die Monopole und den Imperialismus zu
kämpfen, den Boden für eine Herrschaft und Wirtschaft des Volkes bereitend.
Die KKE weis sehr gut, dass die ideologisch-politische
Bewusstseinsbildung der Arbeitermassen Prozesse immer wiederkehrender
Kollisionen mit den Kapitalisten, mit der Ideologie und der Politik
der Herrschaft des Kapitals, mit seinen Institutionen, zu denen auch
seine Parteien und seine „differenzierten“ Unterstützer gehören,
voraussetzt.
Die Abkehr von den bürgerlichen Parteien und das Stimmen für die KKE bei den Wahlen ist eine Praxis des Kollision mit dem System der Ausbeutung, ist ein Akt der Emanzipation.
Kein Vergleich mit den Wahlergebnissen der „gewandelten“ Kräfte
Deswegen kann das Wahlergebnis der
KKE weder mit dem Ergebnis der „linken“, der Systemverwaltung dienenden
Parteien (PASOK, SYN/SYRIZA) verglichen werden,
noch selbstverständlich mit dem von Parteien oder Parteikoalitionen
unseres Landes oder anderer Länder, deren Kern die Kräfte der kommunistischen
Wandlung bilden (z.B. SYN/SYRIZA in Griechenland, Die Linke in Deutschland,
Bloco in Portugal). Und dass, weil diese Kräfte, trotz ihrer Verlautbarungen,
ins System eingebundene Kräfte sind, das imperialistische Zentrum der
EU unterstützen, Illusionen über seine
„Vermenschlichung“ streuen. Sie sind keine Beispiele für die Entwicklung
revolutionärer Parteien, da sie sich von der revolutionären Welttheorie
des Marxismus-Leninismus und den Traditionen der kommunistischen Bewegung
verabschiedet haben. Sehr oft stehen diese Kräfte sogar in der
Avantgarde des antikommunistischen Kampfes, die Anklagen der Bürgerlichen
gegenüber dem Sozialismus, wie er in der UdSSR und den anderen Ländern
Osteuropas im 20. Jahrhundert aufgebaut wurde, reproduzierend. Im Grunde
handelt es sich bei ihnen um Parteien zum Druckablassen und zur Umleitung
der Radikalität des Volkes. Ihr den Umständen geschuldeter Anstieg
hat mit den Problemen, denen zur Zeit die klassischen sozialdemokratischen
Parteien in vielen Ländern Europas ausgesetzt sind, zu tun. Charakteristischerweise
gingen die hohen Umfragewerte des SYN/SYRIZA vor anderthalb Jahren mit
einer analogen tiefen „Depression“ der eigentlichen sozialdemokratischen
Partei in Griechenland, der PASOK einher. Als die PASOK ihre innerparteilichen
Probleme überwunden und die bürgerliche Klasse beschlossen hatte,
ihr das „Steuer“ der Regierungsmacht anzuvertrauen und diese Option
mit allen Mitteln unterstützte, fiel es der PASOK leicht, den an SYN/SYRIZA
„verlorenen Boden“ wieder gutzumachen.
Die KKE betont, dass die Notwendigkeit einer Änderung des Kräfteverhältnisses und dementsprechend der Ausprägung eines viel größeren Bündnisses mit der KKE, zur Vorraussetzung hat, die Notwendigkeit der Kollision mit der kapitalistischen Ausbeutung bewusst zu machen. Nicht nur unter der Perspektive ihrer Abschaffung, sondern auch für das unmittelbare Erringen von Arbeiterrechten (Lohn, Arbeitszeit, Rente, Sozialversicherung), für das Überleben des armen Bauern, des Kleinhändlers und des Handwerker, für die Sicherung von Bildung, Gesundheit, Wohlfahrt für die Mehrheit des Volkes.
Klassenkampf und Aufbau von Partei und Gewerkschaft
In diese Richtung arbeitet die KKE.
Sie strebt den Aufbau von immer mehr Basisorganisationen der Partei
an, vorrangig in den Produktions- und anderen Arbeitsstätten. Die
Kommunisten führen bei den kleinen und großen Kämpfen, die die
Kämpferische Arbeiterfront (PAME ) organisiert. Die PAME ist
eine große Allianz aus klassenbewussten Gewerkschaftsorganisationen
an der große Branchengewerkschaften, regionale Gewerkschaftsverbände
(Arbeiterzentren) und eine große Anzahl Betriebsräte teilnehmen, sie
organisiert den Kampf der Arbeiterklasse unseres Landes, gegen die Unternehmer,
gegen die volksfeindlichen Regierungen und die angepassten offiziellen
Gewerkschaftsdachverbände GSEE und ADEDY.
So führte z.B. die zur PAME gehörende
klassenbewusste Branchengewerkschaft der in der Nahrungsmittelbranche
Arbeitenden im Sommer einen großen Arbeitskampf, bei dem die Produktion
in den großen Betrieben stillgelegt wurde und mit dem neue Errungenschaften
erkämpft wurden. Ähnliche Kämpfe finden in vielen Branchen und Arbeitsstätten
statt. Sicherlich werden die Schaffenden, dort, wo derartige Kämpfe
stattfanden, die Praxis der Partei noch stärker zu schätzen wissen.
Das sagen wir nicht ins Blaue hinein. Während des sehr kurzen Wahlkampfes
schafften die Kommunisten es, tausende Betriebe, Baustellen und andere
Arbeitsstätten zu besuchen (und mit den versammelten Arbeitern in den
Pausen zu sprechen), um die politischen Thesen der
Partei vorzustellen.
Grundstein des Kampfes ist die Reorganisierung
der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung
Die Befreiung, die Emanzipation aus
den bürgerlichen Dilemmata und den innerhalb der bürgerlichen Herrschaft
gefangenhaltenden Fallen ist eine Frage des Klassenkampfes. Die
KKE zur Partei werden zu lassen, in der sich die Mehrheit der Arbeiter
zusammenschließt, zur Partei, die von anderen Kräften des Volkes als
Avantgarde anerkannt wird, ist eine Frage, die nicht durch Wahlen der
bürgerlichen Institutionen beantwortet wird, aber sie determiniert
deren Entwicklung, ihre Destabilisierung, die Notwendigkeit ihres Umsturzes.
Das Problem der Arbeiterbewegung ist
also nicht zuerst und hauptsächlich ihre politische Irreführung bei
parlamentarischen, EU-parlamentarischen oder kommunalen Wahlen. Zuvorderst
steht das Problem, die Notwendigkeit, sie aus dieser Desorientierung
zu befreien, sie aus dieser Geiselhaft innerhalb der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung
zu befreien. Die Hauptsache ist also die Reorganisierung der Bewegung.
Und Reorganisierung der Bewegung bedeutet,
dass sich die Mehrheit der Arbeiterklasse in ihren Gewerkschaften
organisiert, Kämpfe für alle Lohnabhängigen der Betriebe
der Branche oder der Branchen organisiert, unabhängig davon
ob ein Teil von ihnen bessere Arbeits- oder Rentenbedingungen als andere
hat. Bedeutet, dass sie sich selbst und Kämpfe nicht nur gegen einen
bestimmten Kapitalisten sondern gegen die Regierung der Kapitalisten
organisiert. Nicht nur gegen die jeweilige bürgerliche Partei sondern
gegen jede bürgerliche Partei, die in der
„Opposition“ die Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung für eine alternative
bürgerliche Regierungsoption im Interesse der Monopole benutzt.
Mit anderen Worten die Reorganisierung der Arbeiterbewegung bedeutet, dass die gewerkschaftlich organisierte und fordernd kämpferische Arbeitermehrheit jeden Einfluss sowohl der PASOK als auch der ND auf die Arbeiterzentren und Branchengewerkschaften ausschaltet, dass die Gewerkschaftsdachverbände (GSEE und ADEDY) als „leere Hemden“ verbleiben, die PAME zum gewerkschaftlichen Träger wird, der hunderttausende Arbeiter und Angestellte in allen städtischen Zentren auf die Beine bringt und mobilisiert. Dass die hohlen „linken“ Worte von SYN/SYRIZA entlarvt werden.
Die Schwächen der Kräfte der Partei überwinden
Die subjektiven und objektiven Schwierigkeiten,
mit denen die KKE konfrontiert ist, lassen sich mit stärkerem Antrieb
überwinden, zuallererst mit einer
stärkeren ideologischen Kraft. Unsere ideologische
Überzeugungskraft betrifft zuallererst die Stärkung unserer ideologische
Front, die Evaluierung unserer Thesen nach Branche oder Region, die
Geschichte unserer Partei und der internationalen kommunistischen Bewegung,
die Qualität unserer Veröffentlichungen und unserer eigenen Mittel
zur Aufklärung der Massen, die Schulen für marxistische Bildung, u.a.
Sie betrifft aber auch unsere Fähigkeit, dafür zu sorgen, dass sich
die gesamte Parteiorganisation dies alles aneignet, es zur Grundlage
der internen Arbeitsweise der Basisorganisationen, der kommunistischen
Gruppen in Schulen, Krankenhäusern, Betrieben, Kaufhäusern, Gewerkschaftsverwaltungen,
Betriebsräten, usw. wird. Sie betrifft unsere Fähigkeit, aus jeder
Gruppe Kommunisten, ob organisiert oder nicht, aus
jeder Gruppe der Jugendorganisation der Partei (KNE) eine noch fähigere
Gruppe der ideologischen Reifung, der Propaganda, des Vorstoßes, der
Organisation der Massen zu machen. Dies gilt besonders für die
kommunistischen Gewerkschafter.
Aber auch unsere
organisatorischen Antriebskräfte müssen stärker werden. In dieser
Frage müssen wir kreativer denken, vielfältige und mutige Versuche
anstellen, um die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten zu erwerben.
Dies betrifft die Arbeitsweise, die Inhalte, die Praxis der Basisorganisationen.
Daraus werden wesentliche qualitative
Änderungen bei der Arbeitsweise, den Inhalten, der Praxis der Betriebsräte,
der Vereine und Massenorganisationen, der Jugend- und der Frauentreffs
resultieren. Die Formen für Bündnisse und Organisierung sollten flexibler
werden, sowohl was den Arbeiter- und Gewerkschaftskampf aber auch was
die Befriedigung der Bedürfnisse in Kultur-Bildung-Entspannung betrifft,
ohne dass letztere dabei ihres klassenpolitischen Charakters beraubt
wird.
Die KKE
übernimmt ihre Verantwortung. Sie ist vorbereitet und erfahren, befindet
sich in besserer Verfassung als vor den Parlamentswahlen 2007, was ihre
ideologisch-politische Zusammensetzung und Reife betrifft und das ist
unabhängig vom Wahlergebnis. Sie wird alle ihre Möglichkeiten bei
der Organisation des Gegenangriffes des Volkes gegen die Pläne der
Monopole, der neuen Regierung, des EU- und internationalen Imperialismus
einsetzen. Auf diesem Feld werden neue Sektionen von Lohnarbeitern ideologisch-politisch
heranreifen, wird der Klassenkampf geschmiedet, werden Umbrüche im
Kräfteverhältnis erzielt werden.
e-mail:cpg@int.kke.gr