Alle Völker im Widerstand haben unsere Unterstützung
Zu den Kommentaren der bürgelichen Presse über Kuba
veröffentlicht in "Rizospastis" am 26. September 2010
von Elisseos Vagenas, Mitglied des ZK der KKE
Seit einigen Wochen versuchen die bürgerlichen Medien, als hätten sie sich einstimmig mit „eiserner Disziplin“ darauf vorbereitet, ein schlechtes Licht auf die Entwicklungen in Kuba zu werfen.
Zunächst präsentierten sie eine Bemerkung des kubanischen Revolutionsführers Fidel Castro aus einem Interview für eine US-amerikanische Zeitschrift, das den Anschein erweckte, als unterstütze Fidel die Position, dass „das kommunistische kubanische Wirtschaftsmodell nicht länger funktioniere“. Nur wenige Stunden später wies Fidel selbst diese ihm unterstellte Aussage zurück und unterstrich, dass die US-amerikanischen Journalisten ihn missverstanden hätten, da er genau das Gegenteil gemeint habe.
Es lohnt sich kaum, zu erwähnen, dass Fidels Einspruch nicht in gleichem Maße Erwähnung fand. Dies zeigt wieder einmal, wie die bürgerlichen Journalisten die Goebbelschen Lügen immer noch aufkochen.
Anschließend konzentrierten sich dieselben bürgerlichen Medien auf die Veränderungen in der kubanischen Wirtschaft, was zum Ausdruck kommt durch die Reduzierung der staatlich Beschäftigten, und die materielle Unterstützung für diejenigen, die landwirtschaftliche Nutzfläche pachten und bebauen sowie im Dienstleistungsbereich Kleinbetriebe betreiben wollen.
Was sie bewusst verschweigen
Aber schauen wir doch einmal jene Aspekte an, die die bürgerliche Presse
ihren Lesern bewusst verschweigen:
- Sie verschweigen, dass Kuba jahrzehntelang vom Imperialismus eingekreist wurde, dass die USA willkürlich eine Wirtschaftsblockade gegen Kuba durchgesetzt haben. Diese hat seit 1959 zu Verlusten für die kubanische Volkswirtschaft in Höhe von etwa 751,3 Milliarden Dollar geführt. Für ein Land mit der Größe und den Produktionskapazitäten Kubas ist dies eine riesige Summe.
- Sie verschweigen, dass die US in den letzten 50 Jahren mehr als 700 Aggressionshandlungen gegen Kuba organisiert hat. Im Ergebnis sind 3500 Tote und 2100 Verletzte Kubaner zu beklagen. Und dies, weil sich das kubanische Volk für den sozialistischen Entwicklungsweg anstelle der Fortsetzung der kapitalistischen Profitgesellschaft entschieden hat.
Sie verschweigen, dass sich
die EU an dieser anti-kubanischen Kampagne beteiligt und sich dabei
der „Zuckerbrot und Peitsche“ – Methode bedient. Das Ziel ist
der Sturz der Volks- und Arbeitermacht in Kuba.
- Sie verschweigen, dass am 12. September die fünf in den USA inhaftierten kubanischen Patrioten das zwölfte Jahr ihrer ungerechten Gefangenschaft begangen, nur, weil sie konterrevolutionäre und kubafeindliche Gruppierungen in Miami infiltriert hatten und dadurch zahllose Angriffspläne gegen Kuba enthüllt konnten.
Sie verschweigen, dass Kuba
trotz aller wirtschaftlichen Probleme wichtige Errungenschaften in den
Bereichen Gesundheit, Bildung, Kultur und Sport vorzuweisen hat. Das
vor allem auch im Vergleich zu anderen Ländern Lateinamerikas und in
einigen Fällen sogar zu den entwickeltesten kapitalistischen Ländern.
Trotz aller Schwierigkeiten hält Kuba daran fest, seinem Volk kostenlose
Bildung und Gesundheit zu gewähren und hat weiterhin die niedrigste
Kindersterblichkeitsrate in der gesamten Region.
- Sie verschweigen den bedeutenden internationalistischen Beitrag des kubanischen Volkes und der KP Kubas in den letzten 50 Jahren im weltweiten Kampf gegen den Imperialismus. Wir verweisen da nicht nur auf jene Zeitperiode, als die kubanischen Revolutionäre mit der Waffe in der Hand Befreiungsbewegungen in Afrika und Lateinamerika unterstützten. Abgesehen davon ist das herausragende Beispiel dieses Volkes, das dem Imperialismus widersteht und ihn bekämpft und dabei den einzigen alternativen gesellschaftlichen Entwicklungsweg gegenüber der kapitalistischen Barbarei beschreitet, von immensem Gewicht in der Welt. Das zeigen die Entwicklungen der letzten Jahre vor allem auch in Lateinamerika.
Was ist ihr Ziel?
Die Verbreitung von Desinformation über Kuba seitens der bürgerlichen
Medien verfolgt ein besonderes Ziel. Sie versuchen Kuba (folglich jeden
Versuch des Aufbaus einer sozialistischen Gesellschaft) als einen vorgeblich
„undemokratischen“ Prozess darzustellen, welcher – neben anderen
Dingen - das Volk in Notlagen, Probleme, Verarmung, Hunger und Elend
bringt. Sie versuchen, auf diese Weise die Völker davon zu überzeugen,
dass es keine Alternative zum Kapitalismus gibt und selbst Kuba letztlich
diesem Weg folgen wird.
Dementsprechend könnten einige unkritische Leser in diese Falle tappen
und mit einer fatalistischen Einstellung ihr Leben und ihre Zukunft
betrachten, indem sie passiv akzeptieren, dass es keine Alternative
zu einer kapitalistischen Ausbeutergesellschaft gibt.
Wir tappen jedoch nicht in diese Falle!
Zu den Modellen und den derzeitigen Problemen Kubas
Sie behaupten, dass „das kubanische Modell zusammenbricht“. In den
90er Jahren versuchten sie uns davon zu überzeugen, dass das „sowjetische
Modell zusammengebrochen“ sei. Es ist ganz offenkundig, dass hinter
diesen Positionen hinterhältige Tricks versteckt sind. Die KKE betont,
dass die Frage nicht die Ablehnung, die Nachahmung und natürlich auch
nicht der Zusammenbruch irgendeines Modells ist. Die Hauptfrage ist
die Wahl des Entwicklungswegs, eines kapitalistischen oder eines sozialistischen
sowie auch darüber, auf welchen festen Prinzipien der Aufbau des Sozialismus
beruht. Die Verletzung dieser Grundsätze schafft die Bedingungen für
die „Abweichung“ vom sozialistischen Entwicklungsweg.
Die Auflösung der UdSSR 1991 war nicht das Ergebnis eines „Zusammenbruchs“ des Sozialismus, sondern sein Umsturz, resultierend aus vielen äußeren und inneren Faktoren. Die hauptsächlichen Faktoren sind die inneren, wie etwa die opportunistische Erosion auf dem 20. Parteitag der KPdSU und die fehlerhafte Wirtschaftspolitik der Führung der KPdSU seit 1958 in der Landwirtschaft und seit 1965 in der Industrie. Diese Politik führte unter den Bedingungen des sozialistischen Aufbaus das rostige „Instrument“ des Profits wieder ein, um die Probleme zu lösen, die in dieser Zeit entstanden waren. Nachdem sich diese Politik über einen Zeitraum von 20 Jahren hinweg durchgesetzt hatte, entstanden neue schwere Probleme wie die Verstärkung individueller und Gruppeninteressen auf Kosten gesamtgesellschaftlicher Interessen (Einkommensunterschiede zwischen den Arbeitern in jedem Betrieb, zwischen den Arbeitern und dem Leitungsapparat, zwischen verschiedenen Betrieben). Diese Auswahl des Weges schwächte den gesellschaftlichen Charakter des Eigentums, verstärkte kleinkarierte individuelle und Gruppeninteressen, rief ein Gefühl der Entfremdung gegenüber dem gesellschaftlichen Eigentum hervor und schwächte das Massenbewusstsein. Zusammenzufassend kann man sagen, dass das Ergebnis das Aufkommen einer „Schattenwirtschaft“ war: z.B. des Schwarzmarktes, der Korruption in den Reihen der Partei und des Staates sowie das Aufkommen jener gesellschaftlichen Kräfte, die den Umsturz des Sozialismus verfolgten.
In diesen Tagen verschärfter imperialistischer Aggressivität gegen Kuba ist dort der sozialistische Sektor immer noch der Hauptsektor der Wirtschaft. Gleichzeitig erklärt die Führung des Landes, dass die von ihr geförderten Veränderungen die Überwindung gewisser Probleme zum Ziel haben, dass diese Veränderungen nicht den sozialistischen Charakter der Produktionsverhältnisse ändern, sondern die kubanische Revolution stärker machen würden, die mit allen Mitteln von den Imperialisten angegriffen wird.
Kommunisten in aller Welt studieren sehr sorgfältig die Veränderungen,
analysieren umfassend und dialektisch die Entwicklungen und machen kritische
Anmerkungen, um die Arbeiter- und Volksmacht, den Sozialismus zu stärken.
Sie verweisen dabei auf die negative Erfahrung aus der UdSSR und des
heutigen China mit deren tragischen Folgen, die sich aus der kapitalistischen
Restauration sowie der Vorherrschaft kapitalistischer Produktionsverhältnisse
ergeben.
Einige Ursachen der gegenwärtigen Probleme
Gibt es denn eigentlich Probleme in Kuba? Niemand kann behaupten, dass
eine sozialistische Gesellschaft frei von Problemen ist. Diese Probleme
sind jedoch nicht die gleichen, denen sich die arbeitende Bevölkerung
im Kapitalismus gegenübersieht, wie z.B. Arbeitslosigkeit, Unsicherheit,
Klassenschranken in der Bildung, Bildungsmängel, Kommerzialisierung
des Gesundheitswesens, Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Das
sozialistische System garantiert das Recht auf stabile Vollbeschäftigung,
während Bildung und Gesundheitsversorgung nicht vom Einkommen des Arbeiters
abhängig sind. Daher sieht sich Kuba nicht solchen Problemen ausgesetzt,
wie sie die Arbeiterklasse im Kapitalismus erleben muss.
Mehr noch: die Probleme, die in der Entwicklung des Sozialismus erscheinen,
oder während der Lösung neuer Probleme oder beim Vertiefen der sozialistischen
Produktionsverhältnisse auftauchen, sind ganz andere Probleme als jene
Probleme, die unter den Bedingungen des Aufbaus des Sozialismus verursacht
werden, nämlich durch die imperialistische Einkreisung und Aggression.
Die zentrale Planung der Volkswirtschaft und ihre Umsetzung sehen sich
wegen einer Reihe von Faktoren schwerwiegenden Problemen ausgesetzt,
beispielweise aufgrund der weit reichenden Abhängigkeit der kubanischen
Volkswirtschaft von den internationalen Preisen für seine wichtigsten
Exportprodukte wie auch der Importprodukte (z.B. Nahrungsmitteln). Hinzu
kommen die hohen Kosten für den Seetransport als Ergebnis der Wirtschaftsblockade.
Ferner wurde Kuba 2008 von drei verheerenden tropischen Hurrikanen getroffen.
Die dadurch erfolgten Zerstörungen reduzierten das gesamte Bruttoinlandsprodukt
innerhalb eines Jahres um 20%. Diese Entwicklung hat nichts mit dem
Sozialismus zu tun, sondern mit den Folgen von Naturkatastrophen, die
sich in den letzten Jahren durch die von der anarchischen kapitalistischen
Entwicklung erzeugten Klimaveränderungen intensiviert haben. Dennoch
schaffte es Kuba, diesen gewaltigen Naturkatastrophen zu trotzen, seine
Bevölkerung zu schützen und auf eigenen Beinen zu stehen (übrigens
drängt sich da der umfassende Vergleich mit der Naturkatastrophe in
Pakistan förmlich auf).
Ein weiterer
bedeutender Faktor ist der Rückgang der Einkommen aus dem Tourismussektor,
obwohl die Zahl Kuba besuchender Touristen gestiegen ist. Dies ist ein
Ergebnis der weltweiten kapitalistischen Krise und Unsicherheit: Die
Touristen geben weniger Geld aus und als Konsequenz sinken die Einkommen
aus dem Tourismus.
Außerdem wurden die Einkommen des kubanischen Staates durch die Tatsache
beeinträchtigt, dass der internationale Preis für Nickel im Jahr 2009
um 40% sank.
Ganz offensichtlich sind die oben genannten Entwicklungen mit ihren
schweren Folgen für die kubanische Volkswirtschaft keine dem Sozialismus
„angeborenen“ Unzulänglichkeiten, wovon uns die Journalisten des
Kapitals so gerne überzeugen möchten.
Die Frage der Selbstversorgung
Das letzte Beispiel hebt eine allgemeine Sache hervor, nämlich das
wir nicht vergessen dürfen, dass der sozialistische Aufbau in Kuba
von materiellen Bedingungen aus begann, die von einer niedrigen Reife
und einem hohen Grad an Ungleichheit gekennzeichnet waren. In den Jahren
des sozialistischen Aufbaus basierte Kuba auf der enormen Hilfe (politisch,
militärisch, wirtschaftlich) der Sowjetunion sowie der anderen Staaten
des „Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW)“. Kuba importierte
Maschinen, Werkzeuge, Kraftstoff und exportierte Produkte wie Kaffee,
Tabak und Zucker, die die anderen sozialistischen Staaten nur in geringen
Mengen erzeugen konnten.
Leider veränderte sich die Art der sozialistischen Arbeitsteilung im
RGW. Dies resultierte in einem einseitigen Herangehen bei der volkswirtschaftlichen
Entwicklung. Damit wurde die notwendige Selbstversorgung in der Produktion
der Produktionsmittel und anderer Basisprodukte verhindert. Der Hintergrund
dieser Sichtweise war die falsche Position, dass der sozialistische
Aufbau in den sozialistischen Ländern unumkehrbar wäre.
Niemand behauptet, dass ein sozialistisches Land es schafft, Selbstversorgung in allen Bereichen zu entwickeln und deshalb keinerlei Handelsbeziehungen mit anderen Ländern (sozialistischen oder kapitalistischen) nötig hätte.
Nichtsdestotrotz, die Frage ist, wie es diese Austauschbeziehungen nutzt,
um einen planmäßig sich selbst versorgenden Wirtschaftskreislauf für
die Befriedigung der Bedürfnisse des Volkes zu gewährleisten. Das
macht die Volkswirtschaft weniger verwundbar gegenüber dem kapitalistischen
Weltmarkt. Das Beispiel von Kuba liefert nützliche Lehren, sowohl negative
wie auch positive, bezüglich der Zusammenarbeit zwischen den sozialistischen
Ländern im Rahmen des RGW.
Hätte man eine andere Politik verfolgt, die die wirtschaftliche Selbstversorgung
der sozialistischen Länder einschließlich Kubas gestärkt hätte,
dann wäre Kuba 1989 -1991 in einer wesentlich besseren Ausgangsposition
gewesen, als die kapitalistische Restauration in der UdSSR vollendet
wurde und Kuba seine Energiequellen verlor, Nahrungsmittel knapp wurden
und sich das Land zur Schließung von Industriebetrieben und Landwirtschaftsbetrieben
gezwungen sah, da diese moderne Technik einsetzten (nachdem Ersatzteile
ausgingen und Kraftstoffe ausblieben). Die Lage verschärfte sich durch
die Aggressivität des US-Imperialismus, der niemals die Existenz eines
sozialistischen Staates in der Region, die er als seinen „Hinterhof“
betrachtet, hingenommen hat. Um diesen Schwierigkeiten zu begegnen,
musste Kuba eine „Sonderperiode“ durchlaufen, wie die Kubaner selbst
es nannten. In jener Zeit schuf das Land zwei Währungen, um mehr Devisen
u.a. aus dem Tourismus und der Zusammenarbeit mit kapitalistischen Ländern
einzunehmen. Diese Maßnahmen waren tatsächlich Zugeständnisse, die
die Volksmacht bewusst einging, um in schwieriger Zeit zu überleben.
Und es ist eine Tatsache, dass sie es schaffte!
Kuba widerlegte jene, die dem Land 1990-1991 den Tod vorhersagten!
Kuba beeindruckte alle Welt mit der hohen Qualität im Bildungs- und
Gesundheitssektor. Mehr noch, in jener Zeit (und das Gleiche gilt für
heute ebenso!) nutzte Kuba diese Errungenschaften, um sie als Dienstleistungen
zu „exportieren“ und damit bis zu 70% seiner Exporterlöse zu erzielen.
Kuba gelang es, die Erdölproduktion des Landes von 16% auf 48% zu steigern.
Zugleich organisierte das Land eine umfassende Energiereform und löste
Energiefresser durch Energiesparer ab.
Allerdings hat Kuba immer noch massive Probleme, denn es importiert
immer noch fast 80% seiner Nahrungsmittel und 50% seines Energiebedarfs.
Kuba verfügt noch immer über ungenutzte landwirtschaftliche Nutzflächen
wegen eines Mangels an Energieversorgung und landwirtschaftlicher Maschinen.
Probleme aus der Notwendigkeit der
„Sonderperiode“
Die Doppelwährung und der Tourismus haben das Problem der Korruption
in Kuba verstärkt, das von der Volksmacht angegangen wird. Ein Teil
der Bevölkerung, der Zugang zur Doppelwährung oder ausländischen
Währungen hat (z.B. im touristischen Dienstleistungs- oder Taxi-Service
Beschäftigte sowie Empfänger von Geldüberweisungen aus dem Ausland),
haben ein größeres Einkommen als andere Teile der arbeitenden Bevölkerung.
Das verletzt den sozialistischen Grundsatz „Jedem nach seiner Leistung,
jedem nach seinen Fähigkeiten“. Der Grund ist, dass Empfänger von
Geldüberweisungen (und dies ist ein beachtlicher Teil der Bevölkerung)
entweder nicht arbeiten können oder nur sehr unmotiviert sowie weit
unter ihren Fähigkeiten arbeiten und damit kaum etwas für die Gesellschaft
entsprechend ihren Fähigkeiten insgesamt leisten.
Gleichzeitig sollten wir nicht vergessen, dass die neue Generation von
Kubanern, die in den letzten beiden Jahrzehnten geboren und aufgewachsen
ist, Schwierigkeiten und Härten durch die imperialistische Blockade
und die kapitalistische Restauration in der UdSSR erfahren hat. Dieser
Teil der kubanischen Bevölkerung ist eine besondere Zielgruppe für
die imperialistische Propaganda, die jährlich Zig-Millionen Dollarbeträge
dafür aufwendet, um die Kubaner dafür zu gewinnen, ihre eigene Regierung
zu stürzen. Das starke Nationalgefühl des kubanischen Volkes ist auf
jeden Fall ein Bollwerk gegen diese imperialistischen Bestrebungen.
Dessen ungeachtet gibt es unter diesen Bedingungen eine große Notwendigkeit,
die ideologisch-politische Arbeit zu verstärken. Dabei muss berücksichtigt
werden, dass jeden Tag 19 Radio- und Fernsehsender rund um die Uhr auf
30 Frequenzen mehr als 2000 Stunden wöchentlich gegen die kubanische
Revolution arbeiten.
Hinzu kommt: einige in der „Sonderperiode“ unter dem Überlebensdruck
entstandenen Gewohnheiten waren wiederum die Ursache für eine Reihe
von Problemen, denen sich KP Kubas gestellt hat. Zu nennen sind dabei
z.B. das Nachlassen der Arbeitsdisziplin bei Arbeitern und der Disziplin
beim Schutz des gesellschaftlichen Eigentums.
Im Dezember 1999 erklärte die Kommunistische Partei Kubas, die revolutionäre
Regierung sowie die kommunistische Jugend die „Schlacht der Ideen“,
um sich mit diesen Problemen auseinanderzusetzen. Sie zielt darauf ab,
den Beitrag des kubanischen Volkes für den sozialistischen Aufbau und
bei der Verteidigung der Revolution zu erhöhen und legt dabei den Schwerpunkt
auf die Erziehung der Jugend. Der Kampf der Ideen ist natürlich der
Kampf um das Bewusstsein und somit ein ständiger, nie endender Kampf,
ungeachtet aller erreichter Erfolge.
Die Maßnahmen der kubanischen Regierung
Um die Entwicklungen in Kuba einzuschätzen, muss man berücksichtigen,
dass die zentrale Planung als Grundgesetz und Vorzug der sozialistischen
Gesellschaft, die planmäßige Entwicklung der Produktionsmittel und
insbesondere die Verteilung der Arbeitskräfte ein umfassender grundlegender
Prozess ist, welcher systematische Kontrolle erfordert. Dabei muss mit
Fehlern und Versäumnissen umgegangen und auch Korrekturmaßnahmen getroffen
werden. Unter diesen komplizierten Bedingungen plant die kubanische
Führung die Durchführung von Veränderungen der Beschäftigungsstruktur
im Land. Das Ziel ist, in den kommenden Jahren eine Million Arbeiter
aus überflüssigen Stellen im öffentlichen Dienst in andere Bereiche
umzusetzen.
In Griechenland stellten die bürgerlichen Medien diese Verkleinerung
des öffentlichen Sektors als „Entlassungen“ dar. In Wahrheit geht
es um das Bemühen des kubanischen Staates, seine Arbeitskräfte in
andere Bereiche mit Arbeitskräftemangel wie Landwirtschaft, Bauwesen,
Kleinbetriebe im Dienstleistungsbereich umzuverteilen. In den letzten
Jahren sind diese Maßnahmen in Versammlungen an den Arbeitsplätzen
diskutiert worden und haben die Unterstützung der Arbeiter und der
Gewerkschaften.
Die betroffenen Arbeiter werden in drei Richtungen orientiert: 1. in
andere Bereiche des öffentlichen Sektors, wo jetzt Arbeitskräftemangel
vorherrschend ist 2. in landwirtschaftliche Genossenschaften 3. in den
Dienstleistungsbereich, der planmäßig durch Selbstständige ausgeweitet
werden soll.
Was die Kleinunternehmer anbelangt, wollen wir betonen, dass die Revolution
in der Vergangenheit dank der umfassenden Hilfe aus den anderen sozialistischen
Ländern immensen Fortschritt bei der Vergesellschaftung jeder Art von
Dienstleistungen machte. Dies auch bei jenen Dienstleistungen, die nur
eine geringe Konzentration von Produktivkräften vorzuweisen haben.
Heutzutage stellt die Revolution hingegen fest, dass der sozialistische
Staat Schwierigkeiten mit der Organisation dieser täglichen kleinen
Dienstleistungen hat (Friseursalons, Cafeterias, Kleinwerkstätten).
Folglich sollen Teile der Bevölkerung dazu befähigt werden, in diesem
Sektor zu arbeiten und eine kleine Anzahl von Mitarbeitern zu beschäftigen.
Gleichzeitig versucht die kubanische Revolution, einen Teil dieser Arbeiter
in die Landwirtschaft zu überführen, um die landwirtschaftliche Produktion
zu erhöhen. Die kubanische Regierung hat schon landwirtschaftliche
Nutzflächen, die bisher ungenutzt geblieben sind, zu Einzelbauern,
Genossenschaften, oder Staatsbetrieben bereitgestellt, um dort die Erzeugung
landwirtschaftlicher Produkte zu steigern. Es wird gesagt, dass diese
Maßnahmen mit der Nutzung von Landflächen zu tun haben - und nicht
mit einer Veränderung der Eigentumsverhältnisse – durch jene, die
Land mit Technik auf niedriger Stufe bewirtschaften können, und zwar
mit wenigen Maschinen und etwas Kraftstoff. Derzeit bearbeiten 116.000
Menschen 54% des Bodens, der bisher ungenutzt geblieben ist, weil faktisch
weder der Staat noch die Genossenschaften diese Flächen nutzen konnten.
Alle diese Maßnahmen sind der Versuch, die Ausgaben von 1,4 Milliarden
Dollar zu senken, die Kuba jedes Jahr aufwendet, um Nahrungsmittel zu
importieren (60% seiner Importe). Die Zuweisung von Land wird eine zeitliche
Begrenzung haben und sie wird vom Staat erneuert werden, der die Ergebnisse
untersuchen wird. Ein Teil der Produkte wird vom Staat aufgekauft, während
ein anderer Teil von den Produzenten selbst auf dem Markt verkauft werden
darf.
„Niemand kann aus seiner Haut heraus“
Wir müssen verstehen, dass in Kuba der Sozialismus nicht unter Laborbedingungen
aufgebaut wird und dass der Feind sich in die Entwicklungen einmischt
sowie starken wirtschaftlichen, politischen und ideologischen Druck
auf die Insel der Revolution ausübt.
Dennoch, die Kommunistische Partei Kubas und das kubanische Volk leisten
Widerstand; sie verteidigen den Sozialismus, sie packen die Probleme
an, die von der Entwicklungsstufe der Produktivkräfte verursachten
Verzögerungen, als auch den von der Wirtschaftsblockade und den imperialistischen
Interventionen ausgeübten Druck.
Die Arbeiterklasse unseres Landes sollte nicht in die von bürgerlichen
Medien aufgestellte Falle gehen, wenn diese behaupten, dass „der Sozialismus
den Kampf sogar in Kuba verloren hat, welches so lange Widerstand leistete“.
Nichts ist verloren! Das ist eine Frage der Orientierung und des Kräfteverhältnisses.
Wir sollten die Kommunisten und das Volk Kubas so stark wir können
in ihrem Kampf für die Festigung des sozialistischen Systems unterstützen.
Des Weiteren sollten wir die Propaganda des Feindes entlarven, der behauptet,
dass das kubanische Volk in Armut lebe, weil sie ein geringes Einkommen
und niedrige Löhne hätten. Sie „vergessen“ dabei ganz vorsätzlich,
dass im Sozialismus nur ein Teil des Sozialprodukts über den Lohn,
aber ein weiterer bedeutender Teil kostenlos oder zu sehr geringen Preisen
verteilt wird. Das bedeutet in der Praxis, dass die arbeitende Bevölkerung
für die Inanspruchnahme des Gesundheitswesens, für Bildung, Kultur,
Sport, Mutterschaftswohlergehen usw. nichts bezahlt. Das ist das komplette
Gegenteil zu unserem Land und der gesamten kapitalistischen Welt. Trotz
aller zuvor genannten Schwierigkeiten hat Kuba diese unersetzlichen
Errungenschaften der arbeitenden Bevölkerung nicht aufgegeben.
Die Feinde des Sozialismus verschweigen seine Vorzüge. Ungeachtet der
durch die Zerschlagung des Sozialismus in der UdSSR, der US-imperialistischen
Wirtschaftsblockade verursachten Schwierigkeiten wird das Recht auf
Arbeit für alle in Kuba gewährleistet, die arbeiten können. Andererseits
erreicht die Arbeitslosigkeit 1,8% und betrifft vor allem solche Menschen,
die nicht arbeiten wollen, weil sie Einkünfte aus anderen Quellen haben
(Geldüberweisungen aus dem Ausland).
Die klassenbewussten Arbeiter sollten sich nicht von den vielfältigen
imperialistischen ideologischen Kampagnen beeinflussen lassen. Im Gegenteil:
Sie sollten Folgendes niemals vergessen: „Niemand kann aus seiner
Haut heraus“.
Auf der Grundlage unserer Einschätzungen über den Sozialismus
Gleichzeitig müssen wir (der Umsturz des Sozialismus in der UdSSR lehrte
uns dies) die Entwicklungen studieren, unseren eigenen Blick haben,
Sorgen aussprechen und konstruktive Kritik unter Genossen ausdrücken,
wann immer dies erforderlich ist.
Es ist natürlich noch zu früh, um schon jetzt eine umfassende Einschätzung
der derzeit in Kuba umgesetzten Maßnahmen zu treffen. Wir haben allerdings
als Hintergrund unsere Erfahrung mit den in der UdSSR in den 1960er
Jahren ausgeführten Reformen, die ähnliche Maßnahmen in der Wirtschaft
gefördert haben. In der Praxis führten diese Maßnahmen jedoch nur
zu einer zeitweiligen Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion.
In der Folgezeit führten sie zu einem Anwachsen von Mängeln, zur Herausbildung
eines sozialistischen Produktes, das vom sozialistischen Staat nicht
kontrolliert wurde, sondern von den Genossenschaften und den Einzelbauern.
Diese Situation in der Landwirtschaft und ebenso die finanziellen Anreize
für die Arbeiter in der Industrie führten zu einem Anstieg der gesellschaftlichen
Ungleichheit und zum Aufkommen von „Schattenkapital“.
In ihrem auf dem 18. Parteitag angenommenen Beschluss lehnt die KKE
die Anreize in Form von Geldprämien ab. Wir gehen stattdessen davon
aus, dass Prämien für die Entwicklung der kommunistischen Führungsrolle
gemessen an der Organisation und Ausführung der Arbeit, der umfassenden
Effektivitätssteigerung des Kollektivs in der Produktionseinheit oder
den Dienstleistungen notwendig sind. Diese Anreize werden auf die Senkung
der Zahl von lediglich ungelernten Arbeitern sowie die Senkung der Arbeitszeit
abzielen. Dies muss parallel mit dem Zugang zu Bildungsprogrammen, Freizeit-
und Kulturdienstleistungen sowie der Teilnahme an der Arbeiterkontrolle
erfolgen.
Heutzutage kommen in den Ländern Lateinamerikas opportunistische Auffassungen
über den sogenannten „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ auf. Gemäß
diesen Auffassungen habe das Eigentum an den Produktionsmitteln keine
bedeutende Rolle und die zentrale Planung der Volkswirtschaft sei nicht
erforderlich. Kommunisten sollten diese falschen Auffassungen, die die
Grundsätze des sozialistischen Aufbaus verletzen, nicht nur ignorieren,
sondern diese auch bekämpfen.
Außerdem ist es sehr wichtig, dass Kommunisten mögliche Kompromisse
und Zugeständnisse nicht theoretisieren sollten. Lenin machte auch
Zugeständnisse während der Neuen Wirtschaftspolitik (NÖP), die wegen
der Zerstörungen der Produktivkräfte nach dem 1. Weltkrieg und dem
anschließenden Bürgerkrieg notwendig wurde. Allerdings hat Lenin die
NÖP niemals als „ideale“ Maßnahme dargestellt. Niemals wurde sie
als „sozialistische Marktwirtschaft“ dargestellt, wie es beispielsweise
die Führung Chinas tut, um so die Vorherrschaft der kapitalistischen
Produktionsverhältnisse in China zu verschleiern, die tragische Folgen
für die arbeitende Bevölkerung hat.
Ein sozialistisches Land wie Kuba sollte natürlich Wirtschaftsbeziehungen
mit kapitalistischen Ländern in der Region wie Venezuela, Brasilien
sowie anderen Länder Lateinamerikas nutzen. Es sollte die Widersprüche
und Rivalitäten zwischen den kapitalistischen Kräften, zwischen den
verschiedenen Machtblöcken und Bündnissen sowie den Prozessen der
kapitalistischen Integration in der Region ausnutzen. Solche taktischen
Bewegungen können der sozialistischen Staatsmacht helfen. Das bedeutet
jedoch nicht, dass die auf der Grundlage von kapitalistischen Produktionsverhältnissen
eingegangenen Bündnisse ein strategischer Ausweg für den Sozialismus
oder die kämpfenden Völker sein kann.
Kommunisten in aller Welt hoffen, dass die KP Kubas es schaffen wird,
ihre revolutionäre Bereitschaft und die tiefe Verbundenheit mit der
Arbeiterklasse zu erhalten und diejenigen Kräfte zu isolieren, die
den Sozialismus umstürzen wollen. Solche Kräfte entwickeln sich objektiv
durch den Druck der Wirtschaftsblockade und der gut bezahlten Unterstützung
durch die imperialistische Aggression. Auf dieser Grundlage können
Kommunisten rechtzeitig Schlussfolgerungen ziehen und ihre Politik anpassen,
denn es ist klar, dass die verschiedenen ergriffenen Maßnahmen negative
Aspekte und Folgen nach sich ziehen und die Widerstandsfähigkeit der
Partei und der arbeitenden Bevölkerung untergraben. Es ist kein Zufall,
dass die Kommunistische Partei Kubas und die Revolutionsregierung meinen,
dass eine Reihe dieser Maßnahmen zeitweiligen Charakter haben und abgeschafft
werden, sobald die Bedingungen dies zulassen (z.B. die Doppelwährung).
Die KKE steht in Solidarität zum Kampf des Volkes und der Kommunistischen
Partei Kubas. Unsere Solidarität wird nicht nur durch Solidaritätsbrigaden,
Demonstrationen, internationalen Aktivitäten, die Entwicklung des antiimperialistischen
Kampfes, den Kampf für den Sozialismus deutlich. Sie wird auch durch
unsere Besorgnis, unsere Wachsamkeit sowie unsere kritischen Anmerkungen
ausgedrückt. Sie wird weiterhin durch die Analyse des Sozialismus,
den wir kennen lernten sowie durch die Verteidigung der Schlussfolgerungen,
die wir auf unserem 18. Parteitag zogen und die mit unserem Verständnis
von Sozialismus zu tun haben zum Ausdruck gebracht.
Der zweite Aspekt unserer Solidarität ist ebenso wichtig für die weltweite
Sache der Arbeiterklasse wie der erste. Damit werden wir Pläne jener
vereiteln, die kürzlich „Gute Nacht Fidel“ riefen (die Zeitung
„Ta NEA“ und der einstige Minister der sozialdemokratischen PASOK
N. Christodoulakis). Deren tatsächliche Absicht war es, „Gute Nacht“
zur kubanischen Revolution zu sagen, die einen herausragenden Beitrag
für den Kampf der Arbeiter und der Völker in Lateinamerika und überall
auf der Welt leistet. Diese Herren sollen nicht voreilig sein. Die Völker
haben eine unüberwindbare Kraft. Und gerade das kubanische Volk hat
dies bewiesen!
Elisseos VAGENAS
Mitglied des ZK der KKE
zuständig für die Internationale Abteilung des ZK der KKE
e-mail:cpg@int.kke.gr